Geschichte der Entstehung des Schulwesens in Wien

Im Mittelalter lag das gesamte Bildungssystem in Österreich in den Händen der Kirche und der Klöster. Als älteste Schule Österreichs gilt das katholische Stiftsgymnasium Melk. Es wurde im 12. Jahrhundert eröffnet und besteht bis heute. Das moderne Bildungssystem und die Schulen selbst unterscheiden sich erheblich von denen der Vergangenheit, schreibt vienna1.one.

Ein wichtiges Gesetz Maria Theresias

Die Geschichte des Bildungswesens in Wien beginnt im fernen Jahr 1774. Damals führte Maria Theresia mit der „Allgemeinen Schulordnung“ eine Schulreform ein, die eine allgemeine Schulpflicht vorsah. Gemäß der Reform hatten Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren das Recht auf Bildung, unabhängig vom Geschlecht oder dem sozialen Status ihrer Eltern. Die Hauptfächer in den Schulen dieser Zeit waren Rechnen, Lesen und Schreiben.

Während also die Schulbildung zuvor nur den Kindern von Adeligen und Kaufleuten zugänglich war, ermöglichte das neue Gesetz allen Kindern den Schulbesuch.

Die Reform Theresias zielte darauf ab, in der Monarchie verständige und gehorsame Untertanen heranzuziehen, die bereit waren zu arbeiten.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes wurde die Infrastruktur staatlicherseits ausgebaut, und in vielen Dörfern begann der aktive Bau von Schulen. In kleineren Städten und Ortschaften wurden Trivialschulen mit zwei Klassen eingerichtet. In allen größeren Städten und Bezirken gab es Hauptschulen mit drei oder vier Klassen.

Im Jahr 1783 wurde das Schulgeld für die Trivialschulen abgeschafft. Dadurch wurde ein gleichberechtigter Zugang zur Bildung für Jungen und Mädchen aus allen Familien gewährleistet. Zuvor mussten die Eltern für die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen, und da viele nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügten, mussten die Kinder zu Hause bleiben.

Ein einzigartiger Lehrplan

Der einheitliche Lehrplan der Trivialschule sah für alle Kinder den Unterricht in deutscher Sprache, Mathematik und Religion vor.

Bald darauf begannen die Schüler der Hauptschulen auch, Geschichte, Geografie und Zeichnen zu lernen. Das von Maria Theresia eingeführte Gesetz verpflichtete die Lehrer, eine spezielle Ausbildung zu absolvieren. Jeder, der in der Schule unterrichten wollte, musste ein vierjähriges Ausbildungsprogramm an speziellen Schulen absolvieren, die in allen Provinzen betrieben wurden.

Im Rahmen ihrer seelsorgerischen Tätigkeit waren die Priester gesetzlich verpflichtet, die Aufsicht über die Schulen zu führen, sie materiell zu unterstützen und darüber hinaus die Schüler in Religion zu unterrichten. Viele Geistliche widersetzten sich diesen Anforderungen, sodass das Gesetz verschärft werden musste. Infolgedessen wurden nur noch diejenigen zum Priester geweiht, die praktische pädagogische Erfahrung nachweisen konnten.

Die ersten Schulbücher

Mit der Genehmigung des allgemeinen Lehrplans begann die Erstellung standardisierter Schulbücher, die zu einem wichtigen Hilfsmittel für den Lehr- und Lernprozess wurden. Maria Theresia überwachte persönlich die in den Schulbüchern gedruckten Informationen und deren Neuauflagen.

Die wichtigsten und grundlegendsten Prinzipien des Schulunterrichts waren im Handbuch „Kern des Methodenbuches“ (1777) enthalten. Dieses Handbuch für Lehrer wurde zur Quintessenz der pädagogischen Lektüre. Sein Autor war Johann Ignaz von Felbiger. Die Herstellung von Schulbüchern für Schüler und Lehrer erfolgte in Wiener Druckereien.

Bis 1780 wurden rund 100 verschiedene Buchtitel für Schulen geschaffen. Etwa 25 % davon wurden kostenlos an Kinder aus armen Familien verteilt.

Wien wurde zu einer Musterstadt in der Entwicklung des Schulwesens. Bis 1781 besuchten hier bereits rund 42 % der Kinder die Schule.

Das System der Wiener Grundschulen galt als eines der besten in der Monarchie. Für seine Organisation war Ferdinand Kindermann von Schulstein verantwortlich. Eine große Rolle spielte auch die industrielle Bildung. In den Schulen wurden neben Rechnen, Lesen, Schreiben und Religion auch die technischen Fertigkeiten der Schüler gefördert.

Den Kindern wurden der Anbau von Obst und Gemüse sowie Handarbeiten wie Spinnen und Nähen beigebracht. Bis 1787 gab es in ganz Österreich bereits über 100 Industrieschulen.

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