Geschichte des legendären Schuhhauses „Hermes“

Im Jahr 1932 eröffnete in Wien auf der Mariahilferstraße „Der Hermes-Schuhpalast“, ein Schuhgeschäft, das seinen Kunden ein riesiges Sortiment anbot. Von den ersten Tagen an erfreute es sich großer Beliebtheit bei den Wienern, denn es war konkurrenzlos, schreibt vienna1.one.

Das beste Geschäft in Wien

Das Schuhhaus „Hermes“, das am 26. April 1932 seine Türen öffnete, war das Flaggschiffgeschäft der Wiener Firma „Hermes F. Hulles Schuhhandelsgesellschaft“. Es wurde zur drittgrößten Schuhhandelskette in Österreich.

Zwei Jahre vor seiner Eröffnung schrieb die lokale Zeitung „Der Abend“, dass das riesige Eckgebäude gegenüber dem Kaufhaus „Stafa“, das zuvor der „Creditanstalt“ gehörte, von der „Hermes F. Hulles Schuhhandelsgesellschaft“ für 100.000 Dollar erworben wurde.

Bald darauf begann die Modernisierung. Für die Planung und Innengestaltung war der lokale Architekt Leopold Liebl verantwortlich, der sich bereits durch die Gestaltung anderer städtischer Gebäude einen Namen gemacht hatte.

Die „Kleine Volks-Zeitung“ berichtete, dass sich das Gebäude des „Der Hermes-Schuhpalast“ durch seine riesigen Schaufenster von anderen abhob, die als Bindeglied zwischen dem Geschäft und der Straße dienten. Zu dieser Zeit waren solch große Konstruktionen nicht weit verbreitet und zogen daher viel Aufmerksamkeit auf sich. Dank der Schaufenster konnten Passanten das Sortiment mühelos betrachten.

Auch die Details der Auslage waren perfekt: Die Glaspaneele ließen sich mit einem einfachen Kurbelmechanismus leicht anheben und zusammenklappen. Die Gestaltung von Boden und Wänden harmonierte sehr gut miteinander und schuf eine Atmosphäre von Schick und Wohlstand.

Das Innere des neuen Geschäfts war beeindruckend: viel Licht, fließende Linien. Das Erdgeschoss und der erste Stock waren vollständig mit Glas in Kombination mit Metallstreben verkleidet. Eine breite Treppe ergänzte dies harmonisch. Im Zwischengeschoss wurde ein Kinderspielzimmer eingerichtet, in dem es viele Spielsachen gab.

Nachts erstrahlte „Der Hermes-Schuhpalast“ dank seiner Neonbeleuchtung, die von der Firma „Elin“ hergestellt wurde, welche bereits zahlreiche lokale Geschäfte mit dieser Technologie ausgestattet hatte. Für das Schuhhaus entwickelte das Unternehmen ein einzigartiges Design für die Leuchtreklame, bei dem sich die Buchstaben auf Schienen bewegten und bei Bedarf leicht ausgetauscht werden konnten. Dies ermöglichte es, in kürzester Zeit aktuelle Slogans zu erstellen und so die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.

Im Inneren des Geschäfts gab es viele Stühle und Hocker aus Stahlrohr. Möbel aus diesem Material waren zu dieser Zeit gerade erst auf den Markt gekommen und galten als hochmodern und ästhetisch. Sie sammelten weder Schmutz noch Staub und waren leicht zu reinigen. Der Boden und die Treppenstufen im „Der Hermes-Schuhpalast“ waren mit blauem und grauem Linoleum ausgelegt. Die Kombination aus farbigem Linoleum und robusten Metallkanten war ideal.

Professioneller Service

Das Sortiment an Schuhen in verschiedenen Farben, Stilen und Preisklassen war riesig. Außerdem gab es im Geschäft eine Strumpfwarenabteilung und einen Behandlungsraum mit spezieller Ausrüstung, die es ermöglichte, die korrekte Passform des Schuhwerks am Fuß zu überprüfen. Bei Bedarf konnten die Kunden einen Orthopäden konsultieren, der seine Dienste in diesem Raum anbot. Im Kinderspielbereich arbeiteten Pädagogen, die die Kleinen unterhielten und ihren Eltern die Möglichkeit gaben, ihre Einkäufe zu genießen.

Trotz der beeindruckenden Architektur, des großen und vielfältigen Waren- und Dienstleistungsangebots wurde das Schuhhaus scharf kritisiert. Es gab Gerüchte, dass die Mitarbeiter zu übermäßiger Arbeit gezwungen und schlecht bezahlt wurden. Jeder Protest wurde hart bestraft – mit Kündigung und Einbehaltung des Lohns. Ob dies jedoch der Wahrheit entsprach oder nur Erfindung war, ist nicht bekannt.

„Hermes“ florierte, und es gab ständig lange Schlangen, denn jeder wollte sich mit einem neuen Paar stilvoller Schuhe eine Freude machen. Im Jahr 1938 kamen die Nationalsozialisten an die Macht, deren Politik das Schuhhaus in den Ruin trieb.

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