Das Gaswerk im Wiener Bezirk Simmering wurde im 19. Jahrhundert in Betrieb genommen. Die vier Gasometer, als Teil des Werks, in denen einst das aus Kohle gewonnene Stadtgas gespeichert wurde, existieren noch heute. Über die Geschichte dieses Werks lesen Sie hier vienna1.one.
Obwohl die Gasometer nicht mehr in Betrieb sind, bleiben sie nicht nur ein Wahrzeichen des 11. Bezirks, sondern auch ein Symbol für den Beginn der Kommunalisierung der Infrastruktur in Wien. Davor befand sich die Gasversorgung ausschließlich in privater Hand. Im 19. Jahrhundert erwies sich die Gaserzeugung als ein vielversprechendes Geschäft, das die Beleuchtung von Fabriken und somit den Schichtbetrieb ermöglichte.
Den Anfang machte das Werk in Simmering

Bereits 1828 gründete der Apotheker Georg Pfendler das erste Werk „Rossau“, das sich mit der „Gaserzeugung“ befasste. Im Jahr 1842 übernahm schließlich die britische „Imperial Continental Gas Association“ (ICGA) die „Österreichische Gesellschaft zur Beleuchtung mit Gas“. Daraufhin schloss sie einen Vertrag über die Gaslieferung mit der Stadt ab, der noch zwei Mal verlängert werden sollte. Es sei erwähnt, dass das Unternehmen den Bau mehrerer Werke plante. Zuvor wurde das nach Wien gelieferte Gas in vier Gasometern gespeichert.
Trotz Lieferausfällen, der Preisgestaltung und der Quasi-Monopolstellung des britischen Unternehmens wurde der Vertrag 1875 unter Bürgermeister Cajetan Felder um weitere 25 Jahre verlängert.
Die Rufe nach einer kommunalen Gasversorgung wurden immer lauter. Als die Christlichsoziale Partei bei den Wahlen die Mehrheit der Stimmen erhielt, beschloss der Gemeinderat 1896 den Bau des ersten städtischen Gaswerks.
Am 31. Oktober 1899 eröffnete Bürgermeister Karl Lueger feierlich das Gaswerk Simmering. Es wurde zu einem der größten und modernsten seiner Zeit in Europa.
Tatsächlich wurde das Werk lange vor der feierlichen Eröffnung in Betrieb genommen. Dies lag daran, dass die riesigen Öfen, in denen Gas aus Kohle gewonnen wurde, gut durchheizen mussten. Das dauerte mehrere Wochen. Die Gasbehälter in Simmering konnten bis zu 90.000 Kubikmeter Gas bei niedrigem Druck speichern.
Das Gas aus dem Werk wurde für die Straßenbeleuchtung im ersten, elften und zwanzigsten Bezirk verwendet. Die Stadt Wien konnte mit der „Imperial Continental Gas Association“ eine Einigung über die laufenden Verträge zur Beleuchtung der Vororte erzielen. Diese sollten somit im Jahr 1910 auslaufen.
Der Schritt in eine neue Ära

Schon bald konnte das Gaswerk in Simmering den wachsenden Bedarf, der bald 500.000 Kubikmeter Gas pro Tag erreichte, nicht mehr decken. Im Zeitraum von 1904 bis 1905 wuchs Wien durch die Bezirke jenseits der Donau („Transdanubien“), und die Stadtverwaltung bemühte sich, die Gasversorgung für das gesamte Stadtgebiet sicherzustellen. Zudem konnten private Gasbetreiber aufgrund auslaufender Verträge und der Kommunalisierung der Gasinfrastruktur ihre eigene Infrastruktur nicht mehr nutzen.
In den Jahren 1909 bis 1911 stellte die Wiener Stadtverwaltung Mittel aus dem Stadtbudget bereit und errichtete das neue Gaswerk „Leopoldau“ im noch jungen 21. Bezirk.
Im Jahr 1914 wurden die beiden Werke „Leopoldau“ und Simmering durch eine Hochdruck-Gasleitung verbunden.
So lieferten sie erstmals über eine Million Kubikmeter Gas. Die Länge des Gasleitungsnetzes betrug zu dieser Zeit 1.500 Kilometer. Zur Verbrauchsmessung wurden im gesamten Stadtgebiet rund 200.000 Zähler installiert.
Bis 1966 wurde in Simmering Gas aus Kohle gewonnen, danach erfolgte die schrittweise Umstellung auf das billigere Erdgas. Anschließend wurde das Werk stillgelegt. Die alten Gasometer des Werks in Simmering sind jedoch geblieben und erinnern an die Entwicklung der städtischen Infrastruktur Wiens.
1980 wurde das Wiener Werk „Leopoldau“ mit modernen kugelförmigen Gasbehältern ausgestattet, die zu den neuen Gasspeichern wurden.
