Geschichte des Friseurhandwerks in Wien

Im heutigen Wien gibt es eine große Anzahl an Friseursalons und Schönheitssalons, in denen sowohl Frauen als auch Männer jede gewünschte Frisur oder Haarschnitt erhalten können. Dabei muss man sich keine Sorgen um die Gesundheit der Kopfhaut machen, da alles hygienisch, schnell und qualitativ hochwertig ist. Im 19. Jahrhundert war dies ganz anders, denn damals steckte das Friseurhandwerk noch in den Kinderschuhen, schreibt vienna1.one.

Hygienische Friseursalons

Die Frisierkunst entstand in Wien zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert hatte sie eine Vormachtstellung in der Welt. Von diesem Zeitpunkt an erfreute sich der Beruf des Friseurs bei den Menschen großer Beliebtheit. Da die Stadt wuchs und immer mehr Einwohner die Dienste von Friseuren in Anspruch nahmen, begannen die Menschen, sich vor Krankheiten zu fürchten, die durch die Schneidewerkzeuge übertragen wurden. Es kam so weit, dass manche Kunden ihre eigenen Kämme und Bürsten mitbrachten.

Seit dem späten 19. Jahrhundert spielte die Hygiene eine sehr wichtige Rolle, nicht nur für die Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch für Menschen, deren Berufe mit der Pflege von Gesicht, Haaren und Körper zu tun hatten.

Die Wissenschaft der Bakteriologie entstand um 1800 und schärfte das Bewusstsein der Menschen dafür, dass unsichtbare Krankheitserreger eine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Im Jahr 1902 schrieb die Zeitung „Neue Wiener Friseur-Zeitung“, dass erst wenige Jahre vergangen waren, seit in Wien der erste hygienische Friseursalon eröffnet wurde, und eine Zeit lang ein Anstieg der hygienisch-antiseptischen Salons zu beobachten war. Es sei angemerkt, dass es sich zumeist nur reiche Leute leisten konnten, dort eine schöne Frisur oder einen Haarschnitt zu bekommen.

Strenge Aufbereitung der Utensilien

Im Jahr 1900 erlebte das Friseurhandwerk einen starken Hygiene-Schub. Das Wissen und die Anforderungen an die Hygiene wuchsen, wie Publikationen in der Presse belegen. Die „Neue Wiener Friseur-Zeitung“ schrieb im Jahr 1900, dass Hautschuppen und Haarreste auf Kämmen, Schwämmen und anderen Arbeitsgeräten des Friseurs Mikroben von einem Kunden auf den anderen übertragen könnten und die Werkzeuge daher gründlich gereinigt werden sollten.

Ärzte empfahlen den Menschen dringend, beim Besuch eines Friseursalons immer ihre persönlichen Kämme mitzubringen. In einigen Salons hatten Stammkunden persönliche Schubladen in einem Schrank, in denen sie ihre Utensilien aufbewahrten.

Die Hygiene schützte nicht nur den Kunden, sondern auch den Meister. Damals war es üblich, spezielle Arbeitskleidung zu tragen. Im Salon von Eduard Hlavacek erschienen erstmals professionelle Umhänge und Kittel.

Darüber hinaus wurde der hochwertigen Aufbereitung von Textilutensilien, die bei der Arbeit verwendet wurden – Handtücher, Rasierhandtücher, Umhänge –, große Aufmerksamkeit geschenkt. Zu diesem Zweck wurden in Wien mehrere Wäschereien eröffnet, die sich auf das Waschen und Aufbereiten von Friseur-Inventar spezialisierten.

Haarwäsche, Trocknen

Sie wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts in Friseursalons üblich, waren aber anfangs teuer. Entgegen verschiedener Standards wurde die ständige Haarwäsche als wichtige Hygienemaßnahme betrachtet, die zur Bekämpfung der damals verbreiteten Haut- und Haarkrankheiten beitrug. Darüber hinaus wurde das Haarewaschen zu einer neuen Einnahmequelle, insbesondere in den sich entwickelnden Damensalons.

Zunächst bezeichneten Friseure die Haarwäsche oft als „Shampoonieren“, was das Auftragen von flüssigem, schäumendem Shampoo auf das Haar bedeutete. Im Jahr 1900 konnten alle, die wenig Zeit hatten oder sich vor einer Erkältung fürchteten, ihre Haare nicht mit Wasser, sondern mit Äther waschen. Diese Methode war in England wegen der Unfallgefahr verboten, wurde aber in Wien aktiv verwendet.

Friseure verwendeten Waschmittel mit antiparasitärer Wirkung und wendeten folgende Waschmethode an: Das Haar wurde gründlich mit dem Mittel eingeschäumt, nach 10 Minuten mit warmem und dann mit kaltem Wasser ausgespült. Auf diese Weise wurde die Kopfhaut abgehärtet. Wenn es im Salon keine Dusche gab, wurde das Ausspülen mit einem speziellen Schwamm durchgeführt.

Es ist zu beachten, dass spezielle Geräte zum Haarewaschen nur in Salons und auch dort nicht in allen verwendet wurden.

Diejenigen, die bereits im Jahr 1900 über moderne technische Geräte verfügten, machten in Zeitungen Werbung und ließen ihre Kunden wissen, dass die Salon-Haarpflege sehr sorgfältig durchgeführt wurde. All dies dank guter Installationen, die allen hygienischen Anforderungen entsprachen. Solche Friseursalons erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Wienern.

Mit der Verbesserung der Haarwäsche verbreitete sich auch das Trocknen. Anfangs wurde es mit Tüchern und Ventilatoren durchgeführt. Im Jahr 1900 begannen verschiedene technische Geräte auf den Markt zu kommen. Sie beschleunigten den Trocknungsprozess, was bei häufigem Haarewaschen sehr praktisch war.

Allerdings waren die ersten Geräte sehr teuer, unhandlich und gefährlich. 1890 nannte die „Neue Wiener Friseur-Zeitung“ einige der damals verwendeten Gastrockner „Mordwerkzeuge“.

Schließlich musste für das Trocknen von nassem Haar ohnehin Strom verwendet werden. In der Zwischenkriegszeit schritt die Mechanisierung der Friseursalons sehr schnell voran.

Die Anzahl der Trocknungsgeräte auf dem Markt begann zu steigen.

Zusätzlich zu den individuellen Geräten wurden zentrale Heißluftsysteme geschaffen, d. h. mehrere Trocknungsstationen. Bald darauf verbreitete sich der elektrische Föhn besonders stark. Ab 1920 entwickelte und verbesserte sich die Friseurkunst in Wien rasch, und eine große Zahl von Menschen nutzte die Dienste der Meister.

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