Josef Müllner – talentierter Bildhauer aus Wien

Der Name des Wiener Bildhauers Josef Müllner ist in der ganzen Welt bekannt. Zu seiner Zeit galt Müllner als einer der besten Bildhauer Österreichs, seine Werke wurden gemeinsam mit denen von Ivan Meštrović im Wiener Palais des Industriellen Karl Wittgenstein ausgestellt. Müllner war nicht nur Bildhauer, sondern auch ein talentierter Pädagoge. Über das Leben und Wirken dieses großen Mannes lesen Sie hier auf vienna1.one.

Erste berufliche Erfolge

Josef Müllner wurde 1879 in Baden bei Wien geboren. Nach dem Abschluss der Staatsgewerbeschule im Jahr 1896 trat er in die Akademie der bildenden Künste in Wien ein.

Josef war ein Schüler von Edmund Hellmer, dem er stark nacheiferte. Müllners während seines Studiums geschaffene Werke erhielten mehrere Auszeichnungen. Im Jahr 1899 wurde ihm die Goldene Füger-Medaille und 1900 der Gundel-Preis verliehen.

Den letzten und prestigeträchtigsten akademischen Preis erhielt der Bildhauer 1903 nach Abschluss seines Studiums. Damals wurde er mit dem „Rom-Preis“-Stipendium ausgezeichnet, das ihm einen Studienaufenthalt in Italien ermöglichte. 1910 kehrte Müllner nach Wien zurück, wo er an der Wiener Akademie zu unterrichten begann und wenig später dort eine Meisterschule für Bildhauerei gründete und leitete. Müllners Werke beeindruckten durch ihren Realismus, ihre Schönheit und ihre Perfektion.

Im Jahr 1906 nahm Müllner erstmals an einer Ausstellung der Secession teil, wo er sein Werk „Spiel“ präsentierte. Ein stehendes Mädchen wird von zwei Panthern umarmt.

In seinen Werken gelang es Müllner, eine symbiotische Verbindung zwischen Mensch und Tier darzustellen. Er war bekannt für seine zahlreichen Denkmäler zu religiösen, mythologischen und historischen Themen. Ein markantes Beispiel hierfür ist die 1909 geschaffene Statue des „Nackten Reiters“. Ein junger Mann sitzt auf einem Pferd, seine rechte Hand stützt sich selbstbewusst auf der Kruppe des Pferdes ab, während die linke seine Stirn beschattet. Pferd und Reiter blicken in die gleiche Richtung, die Ohren des Pferdes sind leicht nach hinten gelegt, was auf eine volle Konzentration auf den Reiter hindeutet.

Im Jahr 1910 wurde diese Skulptur Gegenstand eines Skandals. Karl Wittgenstein finanzierte die Anfertigung einer Bronzeversion des Reiters und schenkte sie der Stadt. Die geplante Aufstellung an der Ecke zur Lothringerstraße kam nicht zustande, da der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt Einspruch erhob. Er war der Ansicht, die Skulptur könne sich negativ auf den psychologischen Zustand der Bevölkerung auswirken. Bald darauf wurde die Skulptur der „Modernen Galerie“ übergeben und später in Müllners Heimatstadt Baden aufgestellt.

Wesentlich weniger Aufsehen erregte der 1910 im Hof des Schubert-Hauses in der Nussdorferstraße errichtete Brunnen. Er stellte eine Verschmelzung von Mensch und Tier zu einem hybriden Wesen dar – ein Merkmal, das bald charakteristisch für das Schaffen des Bildhauers Müllner werden sollte.

Die Aneignung verschiedener Stile

In seinem Schaffen verband Josef Müllner den Realismus der Florentiner Renaissance, den Naturalismus seines ehemaligen Lehrers Edmund Hellmer und den von Adolf von Hildebrand zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederbelebten Klassizismus.

Dieser Einfluss sehr unterschiedlicher, ja sogar widersprüchlicher Vorbilder ist charakteristisch für die Wiener Bildhauerei um 1900. Die von Müllner geschaffenen Figuren weisen einen außergewöhnlichen Realismus auf. Der Bildhauer war stets bestrebt, Details zugunsten einer einheitlichen, geglätteten Oberfläche zu reduzieren, die die plastische Wirkung unterstreicht und einen zurückhaltenden Eindruck erweckt. Dies kommt besonders in dem von ihm geschaffenen Denkmal für Karl Lueger zum Ausdruck.

Die größte und langwierigste Arbeit Müllners war eben dieses Denkmal. Es wurde 1926 enthüllt. Bald darauf schuf der Bildhauer mehrere weitere große Werke, darunter das Kriegerdenkmal vor der Pfarrkirche in Baden (1934) und den „Nackten Reiter“ für die Olympischen Spiele (1936). Es wird angenommen, dass Müllner 1940 auf Anordnung eines Reichsministers eine monumentale Hitler-Büste für die Aula der Akademie der bildenden Künste schuf.

Im Jahr 1968 verstarb der große Bildhauer und hinterließ zahlreiche einzigartige Werke, in die er seine Seele gelegt hatte.

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