Wiener Börse: Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart

Die Wiener Börse AG ist ein Privatunternehmen im Besitz österreichischer Unternehmen und Banken. Sie ist eine der ältesten Börsen der Welt und der einzige Handelsplatz in Österreich. An der Börse werden Aktien und Anleihen gehandelt, schreibt vienna1.one.

Die Gründung der Börse

Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1761. Damals gründete Kaiserin Maria Theresia die Börse nach französischem Vorbild, um staatliches Kapital zu beschaffen. Anfänglich wurden dort Anleihen, Wechsel und ausländische Währungen gehandelt. Professionelle Makler sorgten für einen reibungslosen Handel und erhielten für die Vermittlung von Geschäften Provisionen. Als zentraler Marktplatz für Wertpapiere gewährleistete die Börse nicht nur eine offizielle Kursfeststellung, sondern auch eine schnelle und sichere Abwicklung der Geschäfte.

1816 wurde die Oesterreichische Nationalbank gegründet. Sie hatte das Monopol auf die Ausgabe von Banknoten, was zu einer Verbesserung des österreichischen Währungssystems führte. Zwei Jahre später wurde die Nationalbank zur ersten Aktiengesellschaft, die an der Wiener Börse notiert wurde. Der erste Aktionär war Ludwig van Beethoven, der 8 Aktien der Bank erwarb.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Wiener Börse aktiv zu wachsen und erlangte internationales Ansehen, da sie eine wichtige Rolle für die Habsburgermonarchie spielte. In dieser Zeit nahm die Zahl der Unternehmen, insbesondere in der Verkehrs- und Eisenbahnbranche, zu. 1842 erschienen die Aktien der „Kaiser-Ferdinands-Nordbahn“ an der Börse, gefolgt von denen der „Budweis-Linz-Gmundner Bahn“ und anderen.

1855 machte ein neues Patent die Börse von staatlicher Regulierung unabhängig. In dieser Zeit wurde eine Börsenkammer, bestehend aus 18 Mitgliedern, eingerichtet. Neben Anleihen gewannen auch die von Privatunternehmen ausgegebenen Wertpapiere an Bedeutung. Auch die Aktienbanken übernahmen einen Teil der Funktionen, die zuvor den Privatbankiers oblagen. Neben dem Depotgeschäft waren sie auch in der langfristigen Finanzierung tätig. All dies wirkte sich positiv auf die Wirtschaft der Monarchie aus und öffnete ausländischen Investoren den Zugang zur Wiener Börse. 1873 platzierte die „Suezkanalgesellschaft“ erstmals ihre Aktien an der Börse. Im selben Jahr kam es zum Wiener Börsenkrach, der zu einer Reduzierung der Aktiengesellschaften an der Börse führte – etwa die Hälfte der Aktiengesellschaften verschwand. Der Wiener Aktienmarkt brauchte Jahre, um sich von diesem schweren Rückschlag zu erholen. Diese Situation führte zur Notwendigkeit, eine neue rechtliche Grundlage zu schaffen: Das Börsegesetz wurde am 1. April 1875 verabschiedet und war das erste seiner Art in Europa. Es regelte das Börsenwesen in Österreich bis 1989.

1877 ereignete sich ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Wiener Börse – das historische Gebäude am Schottenring, in das sie umzog, wurde feierlich eröffnet.

Die Wiener Börse während des Ersten und Zweiten Weltkriegs

Im Zeitraum von 1914 bis 1919 war die Wiener Börse geschlossen. Der Handel verlagerte sich schließlich auf die umliegenden Straßen. Dasselbe geschah im März 1938, als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde. In dieser Zeit änderten die Nationalsozialisten die Statuten vollständig, sodass Juden der Zutritt zur Börse verboten wurde und ihre Vermögenswerte an kommissarische Verwalter übergeben wurden, was deren Transfer ins Ausland unmöglich machte. Erst 1948 wurde der Handel an der Wiener Börse wieder aufgenommen.

Die dynamische Entwicklung der Börse

1985 erkannte der amerikanische Analyst Jim Rogers das hohe Potenzial des österreichischen Kapitalmarktes, was einen Boom an der Börse auslöste. Infolge einer Privatisierungswelle im Jahr 1987 gingen viele namhafte österreichische Unternehmen schrittweise an die Börse.  

1989 wurde der Aktienhandel an der Wiener Börse teilweise elektronisch über „PATS“, ein Unterstützungssystem der Nationalbank, abgewickelt. 1996 wurde der Kassamarkt der Börse auf das automatisierte Handelssystem „EQOS“ umgestellt. 1999 wurde dieses durch das „Exchange Electronic Trading System“ (XETRA) ersetzt.

Im Winter 1997 fusionierte die Wiener Börse mit der Österreichischen Termin- und Optionenbörse (ÖTOB). Von diesem Zeitpunkt an erweiterte sich das Tätigkeitsspektrum der Börse aktiv, angefangen bei den Haupteinnahmequellen: dem Handel und der Notierung von Finanzinstrumenten, bis hin zur zentralen Verwahrung von Wertpapieren.

Das heutige Geschäft stützt sich auf vier Haupteinnahmequellen, und die Börse ist ein marktorientiertes Unternehmen im Besitz heimischer Bankinstitute und Unternehmen.

2004 begann die Wiener Börse, ihr Netzwerk in Zentral- und Osteuropa aufzubauen. Sie erwarb Aktien der Budapester Börse sowie Mehrheitsbeteiligungen an den Börsen in Ljubljana und Prag. 2009 wurden alle Beteiligungen in der Holdinggesellschaft „CEESEG AG“ gebündelt. Dies führte dazu, dass die Wiener Börse AG nun verschiedenen Märkten ihr Handelssystem und zusätzliche IT-Dienstleistungen zur Verfügung stellt.

2017 realisierte die Wiener Börse gemeinsam mit der BAWAG Group AG den größten Börsengang (IPO) in der Geschichte Österreichs. Das Emissionsvolumen betrug 1,93 Milliarden Euro.

Die heutige Wiener Börse AG ist Marktführer im Handel mit österreichischen Aktien und bekannt für ihr großes internationales Netzwerk. Sie ist die wichtigste Akteurin auf dem österreichischen Markt, da sie aktiv große Investoren nach Zentral- und Osteuropa lockt. Zudem gewährleistet sie einen reibungslosen Handel und bietet Geschäftsleuten die Möglichkeit, Wertpapiere gewinnbringend zu erwerben.

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